Wie man einen Standort rettet – und ein System verändert
2017 arbeitet Christoph Scholze bei Siemens in Görlitz. In einem Artikel im Manager Magazin ließt er:
Das Siemens-Werk in Görlitz soll geschlossen werden. 900 Arbeitsplätze, eine ganze Region – auf der Streichliste. Ohne Vorwarnung. Ohne Gespräch. Einfach so. Die Nachricht trifft Belegschaft, Familien und Stadt wie ein Schock.
Doch statt rote Westen anzuziehen und mit Trillerpfeifen zu protestieren, entschieden sich Christoph und seine Mitstreiter für einen anderen Weg – einen Weg, der nicht laut, sondern wirksam war. Der nicht spaltete, sondern verband.
Der zeigte: Wandel funktioniert nur mit Haltung, Mut und Ideen.
Den Arbeitskampf neu erfinden – mit Haltung statt Eskalation, mit Brücken statt Barrikaden.
Was folgt, ist kein klassischer Protest - sondern ein strategischer Kommunikations- und Transformationsprozess:
- Christoph und seine Kolleginnen und Kollegen bauten Brücken zum Management, statt Mauern.
- Er sucht das Gespräch, nicht die Konfrontation - mit der Haltung: „Wir helfen euch, die bessere Entscheidung zu treffen."
- Er nutzt die Medien, um Druck aufzubauen - ohne sich zum Gegner zu machen.
- Und er formt ein Netzwerk aus Kirche, Politik, Kultur, Wissenschaft und Zivilgesellschaft - das geschlossen sagt: „Nicht gegen euch. Sondern für etwas Besseres."
- kurzum: Er machte Betroffene zu Beteiligten, die sich ernst genommen fühlen und etwas zum Besseren bewegen wollen.
Keine Trillerpfeifen und roten Westen, sondern tragfähige Konzepte.
Statt zu blockieren, entwickeln Christoph und das Team konkrete Vorschläge für die Zukunft des Standorts:
- Neue Geschäftsmodelle,
- nachhaltige Produktion,
- strategische Partnerschaften.
Arbeitskampf als Innovationsprozess – statt Trotz, echte Transformation auf vielen Ebenen.
Die Bewegung gewinnt an Wucht - und Christoph wird zum Gesicht der neuen Denkweise. Er übernimmt die Verantwortung für Politik & Außenbeziehungen des Standortes Görlitz, koordiniert Gespräche mit Wirtschaftsministerien, dem Konzernvorstand und den kommunalen Spitzen. So gelang es ihm, viele Politiker für die Bedeutung des Siemens-Standortes für die Lausitz zu sensibilisieren und sie zu motivieren, sich noch stärker zu engagieren: Arbeitsminister Hubertus Heil war genauso hier, wie Bundespräsident Frank Walter Steinmeier, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeyer und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer engagiert sich eh sehr stark für seine Heimatregion Lausitz und war aktiver Teil des gesamten Prozesses.
Und Christoph gelang es, in diesen wackligen Zeiten das zu entwickeln, was später zu seinem eigenen Vermächtnis wird: den "Innovationscampus Görlitz" - als Vision für einen Ort, an dem Wirtschaft, Forschung und Bildung gemeinsam die Zukunft gestalten.
Das Ergebnis: Die Werksschließung wird zurückgenommen. Der Standort bleibt bestehen.
Siemens bleibt in Görlitz. Eine Stadt und eine ganze Region atmen auf. Und für Christoph ist klar: „Mein Team und ich haben nicht nur einen Standort verteidigt. Ich habe etwas gelernt, das ich weitergeben muss, von dem in herausfordernden Zeiten viele Akteure aus Wirtschaft, Politik und Kultur profitieren können - für eine starke Lausitz."
Und jetzt? Erst tragwerk, dann GO BE – die Transformationswerkstatt für die Lausitz.
Christoph verlässt Siemens 2021 und gründet tragwerk - die Transformationsarchitekten, ein Unternehmen, das anderen zeigt, wie echter Wandel gelingt - ohne Eskalation, aber mit Wirkung.
Vier Jahre später entsteht daraus GO BE - die Transformations-Werkstatt für die Lausitz, ein konkreter Ort für Transformation in der Praxis, mitten in Görlitz, für die gesamte Lausitz - offen für alle Interessierten.
Heute bringen sein Team und er dort Unternehmen, Handwerk, Verwaltung und Bildung zusammen - um neue Wege zu gehen, statt alte Probleme zu verwalten.
Die Vision wächst.
Christoph hat gezeigt, dass man Systeme von innen heraus verändern kann - wenn man Haltung mit Strategie und Menschlichkeit verbindet. Und das der alte Grundsatz immernoch gilt: "Betroffene zu Beteiligten machen", um die Lausitz von einer Region der verlängerten Werkbänke hin zu einer Region der Lösungsanbieter zu entwickeln, die nicht nur regionale oder nationale, sondern globale Märkte erschließt.
Die Lausitz soll zum Markt der Möglichkeiten werden - durch Mut, Innovationen und neue Geschäftsmodelle, die sich an globalen Megatrends und neuen Technologien orientieren, wie z.B. Künstlicher Intelligenz, additiver Fertigung.